Klassische Briefmarken

Gästebuch
Gästebuch
 

Marken - Prüfungen

Die Entwicklung des Prüfwesens bis zur heutigen Prüfpraxis

Nachdem das Briefmarkensammeln in den 1870er Jahren zu einem Weltumspannenden Hobby wurde, war ziemlich schnell klar, dass Marken mit geringer Auflage kräftig im Preis steigen, wenn das betreffende Land gern gesammelt wird (Seltenheit bestimmt den Preis). Da die damaligen Sammler fast ausschließlich Generalsammler waren und somit das rare Material sehr begehrt war kamen hier auch Subjekte erstmals in den Bereich der Philatelie, die jeder ernsthafte Sammler am liebsten auf den Mond wünschte: DIE FÄLSCHER ! Wo gutsituierte Sammler willens und in der Lage waren und sind, enorme Summen für kleine Papierstücke auszugeben, sind Leute logischerweise nicht weit, die ihren Teil des Kuchens abhaben wollen. Es gibt alle möglichen Arten von Fälschungen, hiervon aber mehr auf einer anderen Seite.

Um sich gegen solche Strolche wehren zu können war profundes Wissen über die einzelnen Marken, deren Ausgabezeit sowie die Stempel unerlässlich, oftmals fehlte es aber an Zeit oder auch Vergleichsstücken um sich entsprechend orientieren zu können. Ab ca. 1875 entwickelte sich ein entsprechendes Prüfungswesen von Marken. Die Nachdrucke bzw. Neudrucke nahmen solche Formen an, dass hier eine Schmerzgrenze für die Sammler erreicht wurde. In der Hauptstadt Sachsens, Dresden, wurde 1876 vom in Sammlerkreisen bekannten Dr. Moschkau (unter anderem Herausgeber von Sammleralben) eine öffentliche Markenprüfstelle eingerichtet.

Auch in verschiedenen Sammlervereinen wurde versteckt geprüft. Durchsetzten konnte sich im deutschen Bereich anders als im angelsächsischen aber nur zuverlässig der „öffentliche“ für jedermann zugängliche Experte. Wir finden heute noch klassische Marken , die entsprechend in der damaligen Zeit signiert wurden (rückseitig mit kleinem Stempel oder Handzeichen– Namen oder Initialen). Diese sind skeptisch zu beurteilen, da wir heute die „Experten“ nicht immer kennen – mit Ausnahme der großen Briefmarkenhändler wie z.B. Senf aus Leipzig, die ihre Marken ebenfalls signierten. Es gibt aber auch hier Vergleichssammlungen von alten (und auch neueren) Signaturen der wirklichen Experten vergangener Zeiten. Hier einmal einige Beispiele von Altsignaturen. Die Stellung des Stempels war unbedeutend und wohl auch immer an der gleichen Stelle. Zu unterscheiden ist hier die Signatur von Einzelexperten/Prüfern und die Signaturen von Firmen die als Händler dahinter standen. Zumindestens die Altsignaturen der Firmen sind auch heute noch ein gutes Zeichen, wenn es sich um renomierte Firmen wie z.B. die hier abgebildeten handelt.


Belgien Nr. 1 von 1849 König Leopold I
Signatur Haagsche Postzegel Handel - Niederländische Briefmarkenhändler vor dem 2. Weltkrieg
Auf Belgien Nr. 1 von 1848


Russland Nr. 58C von 1904 Kriegswaisenhilfe
Signatur Gebr. Senf – Leipziger Briefmarkenhändler vor dem 2. Weltkrieg zeitweise die größten Deutschlands
Hier eine Liste der Prüfbedingungen der Fa. Senf von 1909.


Österreich Nr. 23e Zeitungsmarke von 1861 Kaiser Franz Joseph
Signatur Starauschek, Friedrich war ein Experte des Briefmarkenhauses Heinrich Köhler,
Berlin – Gebiete: Altdeutschland, Deutschland, Europa vor 1900 und Welt vor 1900 ,
ab 1961 Mitglied im BPP. Signierte mit Star und nicht mit ganzem Namen.


Thurn und Taxis Nr. 52 von 1866
Signatur Richter, Georg 1874 – 1960 – Prüfer ab 1930. Signierte mit Stempel in Schreibschrift oder
mit Stempel in Blockschrift. Ist leider häufig auf Fälschungen anzutreffen. Prüfgebiete Weltweit.


Baden Nr. 14b von 1862
Signatur Leonhard (deutscher Experte) sowie Richter und eine rote Privatsignatur , wir sehen hieran es wurde auch damals schon mehrfach geprüft und der ersten Prüfung event. mißtraut.


Hannover Nr. 2a von 1851
Signatur G.B. hierbei dürfte es sich um eine reine Privatsignatur handeln.
Privatsignaturen wurden von Sammlern als Eigentumsschutz vorgenommen.

Das Prüfwesen so wie wir es kennen gab sich erst 1958 eine Vereinigung – die des BPP (Bund Philatelistischer Prüfer). Es gibt eine Liste von Prüfern für fast jedes Sammelgebiet. Prüfer des Bund Philatelistischer Prüfer kann nur werden, wer seine Eignung nachweist und dann durch eine Prüfungskommission gewählt wird. Hiervor sind hohe Hürden zu nehmen. Dazu gehört, das der werdende Prüfer eine Aufstellung über vorhandene Fachliteratur einreicht sowie die ihm zur Verfügung stehenden technischen Hilfsmittel auflistet. Dann hat er eine Prüfung seines Spezialgebietes abzulegen, hierbei müssen eine eigene Prüfsammlung (Vergleichsstücke) vorgewiesen werden sowie eine Datei über wesentliche Stücke des Prüfgebiete ebenso wie Fälschungen. Wir sehen also heute wird mit der guten deutschen Gründlichkeit geprüft. Dieses ist nicht ganz billig und so kommt es, dass eine Markenprüfung ganz schön ins Geld gehen kann. Nach der aktuellen Liste verlangen Prüfer 4 % vom Michelkatalogwert bzw. vom Handelswert der betreffenden Marke, selbst bei Falschprüfung wird heute eine Gebühr von bis zu 1 % verlangt. Bei Nachprüfen von alten Prüfzeichen auf der Marke kann - sollte sich herausstellen, dass das Prüfzeichen falsch ist - ebenfalls eine Gebühr bis zu 4 % verlangt werden. Hierzu kommen noch Schreibgebühren und Portokosten sowie evt. Extrabeschreibungen. Das alles ist auch ein Grund warum viele Sammler auf dem Standpunkt stehen das Prüfen von Marken sei unnötig und sammeln lieber nach dem Motto: Augen zu und durch ! Allerdings stellt sich hier die Frage warum immer noch viele sogenannte Sammler erwarten, selbst geprüfte Marken für höchstens 20 % des Katalogwertes einkaufen zu können. Es sollte jedem einleuchten, dass solche Preise für einwandfreies geprüftes Material nicht zu halten sind. Es kommt vor, dass Sammlungen versteigert werden bei denen in der Katalogbeschreibung auftaucht, dass allein die Prüfungsgebühren die Hälfte des Ausrufpreises ausgemacht haben – da tränen einem die Augen ! Es ist wohl sinnvoll auf beiden Seiten – Prüfern wie auch Sammlern – ein wenig nachzudenken und einen Kompromiss zu finden. Bei den Prüfern sollte es nicht zu kommerziell zugehen und bei den Sammlern sollte die Erkenntnis Fuß fassen, dass einwandfreie Markenware eben ihren Preis hat wie auch andere Ware , die man im Laden erwirbt ihren gerechtfertigten Preis hat. So könnten die Kosten im Rahmen gehalten werden und damit die Bereitschaft prüfen zu lassen oder entsprechend geprüfte Werte zu kaufen steigen.

Nun wollen wir doch einmal einen Blick auf die heutig gängige Praxis des Prüfens werfen. Es gibt bei den Briefmarken zum einen die Kleinstwerte, die im Block geprüft werden und keine besonderen Signaturen bekommen. Dann gibt es die besseren Marken, die einen Prüfstempel rückseitig erhalten. Der Stempel besteht heute aus dem Namen des Prüfers sowie dem Anhang BPP (Bund Philatelistischer Prüfer) Die Stellung des Stempels zeigt hier zum einen die Qualität der Marke ( umso weiter der Stempel vom Markenrand wegsteht desto schlechter ist die Qualität – man spricht von tiefstgeprüft für einwandfreie Marken in Supererhaltung ) zum anderen zeigt die Anordnung des Stempels auf der Markenrückseite um welche Erhaltungsform der Marke es sich handelt – wie zum Beispiel geschnittene Marke oder gezähnte Marke oder Marke mit Aufdruck etc. Ich habe hier einmal die Palette der Prüfungsmöglichkeiten anhand von Beispielen dargestellt – anstatt des Prüfernamens ist hier der Schriftzug geprüft verwandt worden in gleicher Stellung wie ansonsten der Stempel NameBPP der jeweiligen Prüfer verwandt würde:


Stellung des Prüfstempels bei geschnittenen ungestempelten Marken
Marke: Mexico Nr. 30 II von 1866 Kaiser Maximilian


Stellung des Prüfstempels bei geschnittenen gestempelten Marken
Marke: Niederlande Nr. 1a von 1852 König Willem III


Stellung des Prüfstempels bei geschnittenen ungestempelten Marken mit Aufdruck
Marke: Russland Nr. 169 II von 1922 Sense, Sichel, Getreideähren


Stellung des Prüfstempels bei geschnittenen gestempelten Marken mit Aufdruck
Marke: Bayern Nr. 166 B von 1920 König Ludwig III


Stellung des Prüfstempels bei durchstochenen ungestempelten Marken
Marke: Brasilien Nr. 35 von 1877 Kaiser Pedro II


Stellung des Prüfstempels bei durchstochenen gestempelten Marken
Marke: Chile Nr. 16 von 1877 Christoph Kolumbus


Stellung des Prüfstempels bei durchstochenen ungestempelten Marken mit Aufdruck
Marke: Deutsches Reich Nr. 312 B von 1923 Ziffer im Kreis


Stellung des Prüfstempels bei durchstochenen gestempelten Marken mit Aufdruck
Marke: Deutsches Reich Nr. 300 von 1923 Ziffer im Rechteck


Stellung des Prüfstempels bei gezähnten ungestempelten Marken
Marke: Oranjefluß – Kolonie Nr. 46 von 1903 König Eduard VII


Stellung des Prüfstempels bei gezähnten gestempelten Marken
Marke: Niederlande Nr. 47 B von 1896 Königin Wilhelmina


Stellung des Prüfstempels bei gezähnten ungestempelten Marken mit Aufdruck
Marke: Luxemburg Nr. 91 von 1915 Großherzog Wilhelm IV


Stellung des Prüfstempels bei gestempelten gezähnten Marken mit Aufdruck
Marke: Deutsch – Ostafrika Nr. 7 von 1896 Krone

Werden die Marken höherwertig, besteht die Möglichkeit einen Befund oder ein Attest vom Prüfer ausgestellt zu bekommen. Allgemein wird gesagt ein Befund ist möglich ab einem Katalogwert von mindestens Euro 100,-- und ein Attest ab einem Katalogwert von mindestens Euro 250,--. Bei beiden, Befund wie auch Attest wird die Marke selber nicht mehr signiert sondern man erhält eine Urkunde mit einem Farbfoto der betreffenden Marke. In dieser Urkunde ist die Marke beschrieben und die Besonderheiten erwähnt. Dieses lohnt sich allerdings meines Erachtens nur bei wirklich hochklassigen Marken, die fälschungsgefährdet sind und für die eine wirkliche gute Nachfrage besteht. Hier Beispiele eines Befundes und eines Attestes:

Befund am Beispiel der Marke Oldenburg Nr. 1 ungebraucht


Attest am Beispiel der Marke Großbritannien Nr. 85 gestempelt

Wie wir sehen ist das Thema Markenprüfungen seit früher Sammlerzeit ein wichtiger Aspekt der Philatelie, im 19. Jahrhundert wurde die Prüfung noch in den Dienst der Sammler gestellt und waren verhältnismäßig günstig. Dieses hat sich geändert, die Kosten für eine Prüfung machen heute oftmals gerade bei mittlerer Sammlerware einen großen Teil des Wertes aus – von den Kosten für eine Falschprüfung wollen wir gar nicht reden. Allerdings muss gesagt werden, das früher wesentlich höhere Prozente des Katalogwertes für Marken gezahlt wurden – Insofern bleibt dem Sammler nur sich zu informieren um Fälschungen selbst herausfiltern zu können.

 

[ Zum Seitenanfang ]

Impressum