Klassische Briefmarken

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Philosophie der klassischen Marken
oder
Warum sammeln, das alte Zeug?
 

Klassik? Was ist das ?

Unter klassischen Briefmarken verstehe ich die Marken der ganzen Welt ab der ersten Ausgabe Großbritanniens vom 6.Mai 1840 bis zu den Markenausgaben Ende des 1. Weltkriegs 1918. Hier sind meine Argumente warum gerade dieses Sammelgebiet für mich so interessant ist:
 

10 meiner guten Gründe klassische Marken zu sammeln !!

Der erste Kontakt mit klassischen Marken

Vor ca. 30 Jahren hielt ich bei Oma ein altes Schaubek-Briefmarkenvordruckalbum meines Großvaters in der Hand, es war von 1910 und eher schwächer bestückt, aber meine Großmutter meinte es würden sich ganz besondere Schätze darin verbergen. Ich konnte daher nur in unbeobachteten Momenten darin blättern, völlig ohne Kataloge ausgestattet und als Kind ziemlich unbedarft glaubte ich ihr und maß dem Album einen großen Wert bei.

Wer kennt das nicht: Dinge an die man nicht heran darf entwickeln ihren eigenen Reiz. Diese für mich interessante Erfahrung hat mich nachhaltig für alte Marken begeistern können. Heutzutage kommen bei mir selbstverständlich noch einige andere Argumente außer nostalgischer Verklärung hinzu:


Uraltalbum , wie sie auch heute noch öfter anzutreffen sind,
leider meistens geplündert...
 

Kleine Kunstwerke

Die Postverwaltungen haben mit den damaligen, zu heute bescheidenen Mitteln kleine Kunstwerke geschaffen, viele der ersten Ausgaben waren einfarbig oder seltener zweifarbig. Die Stiche machen in ihrer einfachen Ausführung die wenigen Quadratzentimeter einer Briefmarke auf schwarzem Grund des Sammelalbums zu glitzernden Juwelen.

Originalgröße: 583x258 musste auf 470x207 verkleinert werden, um bei einer Auflösung von 800x600 Pixeln in die Tabelle zu passen.
Ein Juwel Rußlands 2 Farbenmarke FreimarkenO Michelnr 26-28 Staatswappen, eingefaßt in Mantel mit Krone Ausgaben 1875/79
 

Reine Zweckmäßigkeit als Postwertzeichen

Diese Marken sind nur zu postalischen Zwecken und Notwendigkeiten herausgebracht worden, dieses ist schon daran ersichtlich , daß die meisten Markenländer in den ersten 80 Jahren höchstens 100 bis 200 Marken heraus gegeben haben , in den weiteren 80 Jahren aber tausende von Marken. Die Vorgehensweise von Postanstalten heutzutage gleicht immer mehr dem betriebswirtschaftlich kontrollierten Abzocken der Sammler als der postalischen Notwendigkeit, von einzelnen Gebieten einmal abgesehen, die von den Sammlern begrüßt und vermehrt gesammelt werden. Bevorzugt werden von mir die gelaufenen Marken, sie wurden eben im wahrsten Sinne gebraucht.


Links: Norwegen erste Posthornausgabe 1872 Michelnr. 20 6
Skill rötlichbraun Inschrift Norge in Groteskschrift
Rechts: Norwegen neuere Posthorn Ausgabe 1940/41 5
Ore purpur Schrift in Antiqua
Marken mit dem Posthornmotiv werden immer noch ausgegeben, die älteste Dauermarke der Welt, über 130 Jahre.
 

Historische Persönlichkeiten und vergangene Geschichte

Bei klassischen Marken wurden Persönlichkeiten oder Motive verwandt, die in direktem Zusammenhang mit der seinerzeitigen politischen und gesellschaftlichen Lage des Landes standen. In manchen Staaten gab es schon eine Demokratie in anderen herrschten Monarchen etc.. Hier treffen wir regierende Staatsoberhäupter oder hervorzuhebende Themen der jeweiligen Gesellschaft wieder, dieses ist geschichtlich sehr interessant und schärft auch den Blick für damalige staatliche Zusammenhänge und Koalitionen, Stichwort z.B. Kolonien. Staaten, die heute nicht mehr oder damals noch nicht existierten haben ihre Visitenkarte per Marke abgegeben bzw. waren ein anderes Staatsgebiet. Auch erzählen Briefe damaliger Zeit Geschichten über Beförderungsmittel und Wege.

Original hat 604x367 Pixel. Hier verkleinert auf 470x285
Die Erstausgaben des "neuen" Staates Tschechoslowakei 1918 Michelnrn. 1 – 10 symbolisiert durch die aufgehende Sonne hinter dem Hradschin. Entstanden durch das Ende des 1. Weltkrieges und dem Zerfall Ungarn-Österreichs, der K u K Monarchie.


Ein Beispiel eines untergegangenen Staates,
die Königlich Kaiserliche Ungarn-Österreichische Donau Doppelmonarchie existierte nach dem 1. Weltkrieg nicht mehr.
Ausgabe 1883 50 Kreuzer Michelnr. 49.

Original hat 700x313 Pixel - verkleinert auf 470x210 Pixel
Eine der Deutschen Kolonien Deutsch-Südwestafrika, das heutige Namibia, die Höchstwerte der Ausgabe von 1906 Michelnrn. 29-32, als Motiv die Privatjacht des deutschen Kaisers SMS Hohenzollern.


Jeweils die Erstausgaben aus den Niederlanden ( 1852 Michelnrn. 1- 3 )
und aus Luxemburg ( 1852 Michelnrn. 1-2 )
Wer weiß heute noch, dass beide Länder in Personalunion von König Wilhelm III regiert wurden ? Dieser ist auf beiden Markenausgaben zu sehen.

 

Interessante Geschichten über berühmte Marken oder Sammler

Die berühmteste Marke der Welt ist wohl die Blaue Mauritius, um sie ranken Legenden und Geschichten. Aber über jede berühmte "Klassische Schönheit" gibt es Geschichten, diese sind interessant und teilweise geradezu kriminalistisch , auch berühmte Sammler galten in früheren Zeiten als Volkshelden, wer kennt nicht den wohl "komplettesten Sammler alter Zeit Phillipp la Ferrari (1850-1917), oder die großen Sammler : den britischen König Georg V, König Faruk von Ägypten, die US-Präsidenten Theodore Roosevelt und Kennedy, die Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen, es tut gut zu wissen, dass Briefmarkensammeln durch alle Gesellschaftsschichten geht.


Hier kann man die Geschichte der Mauritiusmarken nachlesen

 

Viele Unterscheidungsmöglichkeiten aufgrund improvisierter Herstellung / verschiedene Stempel

Da die Herstellungsmethoden früherer Zeiten nicht unsere heutige automatisierte Perfektion aufwiesen sind vielfältige Abarten, Plattenfehler, Farbunterschiede und andere "Aussetzer" vorhanden. Außerdem waren die klassischen Marken sehr oft lange Jahre im Gebrauch, daher wurden viele Auflagen notwendig, hier kann der Interessierte ein unerschöpfliches Gebiet von Zähnungen, Wasserzeichen, Papierunterschiede etc. finden. Es wäre also für Spezialisten schon eine Lebensaufgabe sich unter Umständen nur mit einer einzigen Ausgabe zu beschäftigen, z.B. der stehenden Helvetia der Schweiz. Des weiteren ist das Gebiet der unterschiedlichen Stempelarten und Nummernstempel früher Gebiete sehr interessant. Gerade bei den sogenannten Massenmarken der klassischen Zeit kann der Sammler auch heute noch mit geringem Kapitaleinsatz fündig werden.


Hier zB. Die "Strubelmarke" 40 Centimes Schweiz von 1854
oben mit offener Null bei "40 CENTESIMI"
unten in Ordnung.
Solche "Spezialitäten" finden sich in dem Maße nur bei klassischen Marken.

 

Sammelspaß durch Materialbeschaffung

Wenn ich alte Marken aus Leidenschaft sammele, versuche ich natürlich auf allen erdenklichen Wegen zu neuem Material zu kommen. Dazu gehören Auktionen ebenso wie Zeitungsanzeigen oder Nachlässe oder Wohnungsauflösungen oder Flohmärkte etc., keine Möglichkeit wo sich eventuell Klassik-Marken verbergen könnten wird ausgelassen. Dieses ist sehr aufregend und spannend zugleich, wenn die "Jagd" erfolgreich war ist es ein psychologisch sehr anregender "Jagderfolg".


Auktionen gehören zur "Materialbeschaffung"


Ebenso wie alte Dachboden, dieser ist leider schon leer !!
 

Global denken und die Welt in Händen halten

Ein guter Aspekt für einen "Generalisten" ist auch der heute so beschworene Gedanken des globalen Denkens, ich halte Marken aus allen Ländern der Welt in meinen Händen, kann sozusagen eine Weltreise im kleinen unternehmen und weiß, daß diese kleinen Papierchen einmal weite Reisen durch die Welt unternommen haben.
 

Verschiedene klassische Marken aus jedem Erdteil:


Europa – Dänemarks erste Ausgabe 1851 4 Skill Michelnr. 1


Amerika – USA Ausgabe 1869 Adler auf Schild 10 Cent gelb Michelnr. 30


Asien – Japan Krönung des neuen Kaisers 1915 Michelnrn. 123 – 126


Afrika – Kap der guten Hoffnung erste Ausgabe 1853 Allegorie der Hoffnung Nr. 1


Australien – Queensland Ausgabe 1862/67 Victoria 3 Pence Michelnr. 15

 

So manches Fundstück in viel Kuddelmuddel

Ich verhehle nicht, daß ich mich über jedes Katalogmäßig höher bewertete Stück besonders freue, gerade wenn ich es im Konvolut entdeckt habe und es mir sogar noch fehlt.


Ein toller Fund in alter zerfledderter Schwarte von 1892 – Großbritannien Ausgabe 1888 1 Pound bräunlichlila Michelnr. 98, sehr selten und sonst nur auf Auktionen als Einzelmarke zu haben.

Und last but not least:

Ich komme nie in die Verlegenheit dieses Sammelgebiet komplett zu haben !

Das spricht für sich:  
Die blaue Mauritius, wohl die bekannteste Briefmarke der Welt auch viele Nicht-Philatelisten kennen sie, leider unbezahlbar.
 

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