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Moderne Ausrüstung

Dieser Artikel erschien 1887 und spiegelt die fortschrittlichste Einstellung zur Sammlerausrüstung wieder, diese Vorstellung wurde von den wenigsten Philatelisten der damaligen Zeit in vollem Umfange geteilt!!

Moderne Ausrüstung eines
Philatelisten

Von A. Moschkau

 

         Wie der Tourist sich ausser mit Hut, Joppe; Kniestrümpfen und Nagelschuhen, auch mit dem Eispickel, Rucksack und dem Steigseile versieht; wie der Botaniker seinen Präparirtisch besitzt und darauf neben dem Herbarium die Pressmappe, das Mikroskop, verschiedene Scheeren und Messer u.s.w. ihren Platz beanspruchen, so ist es für den ernsten Pilatelisten (es gibt ja deren eine verhältnissmässig grosse Zahl) auch dahin gekommen, dass er für die regelmässige Instandhaltung seiner Sammlung eines in gewissem Sinne ziemlich umfangreichen Hilfsapparates bedarf. Eigentlich benötigte dessen auch schon der jüngere Sammler, obwohl dies gewöhnlich noch für überflüssig gehalten wird.
         Mit dieser modernen Ausrüstung eines Philatelisten, mit Darbietung eines je nach dem Grade des Sammlers berechneten Hilfsapparates ist dem Handel, der auf allen anderen Gebieten sich breit machenden und meist gute Erfolge tragenden Spekulation noch Thür und Thor geöffnet. Billig muss man sich fragen, warum noch nach keiner Seite daran gedacht wurde, derartige Hilfs- apparate in kompendiöser Form auf den Markt zu bringen, indem doch die Aussicht auf ein gutes Resultat ziemlich sicher vor Augen liegt; jeder Philatelist nimmt ja fast täglich seine Sammlung in Gebrauch.
         Wir denken uns solch eine moderne Sammler- ausrüstung einfachster Sorte wie folgt: In einem länglich rechteckigen Kasten, ziemlich flacher Form, vor Allem eine Mappe, gefüllt mit Fliess- papier und Wachsblättern, diese und eine flache Guttapercha- oder Porzellanschale nebst breitem Haarpinsel als Markenreinigungs- resp. Wasch- apparat; ferner darin ein Etui mit Scheere und der entsprechenden Zahl Blätter Klebpergament zum Befestigen der Marken im Album, statt dessen auch ein Fläschchen mit irgend einem dickflüssigen Klebstoffe und Pinsel; ausserdem gehört hinein eine der von Amerika in den Handel gebrachten Farbenkarten, ein Zähnungschlüssel und eine Lupe, letztere nicht allzuklein, und von besserer Qualität, da sie wichtige Dienste zu leisten bestimmt ist, endlich auch ein gutes, scharfes Taschenmesser.
         Dies wäre nun solch`eine moderne Philatelisten- ausrüstung, Alles in Allem genommen Das ent- haltend, was ein Philatelist, so oft er sich mit seinem Album beschäftigt, gewiss jedes Mal und wenn auch nur in einzelnen Theilen bedarf. Jeder ist schliess- lich im Stande, sich dies selbst in angedeuteter Weise ohne allzugrosse Kosten zusammen zu stellen.

          Will man darin einen grossen Schritt weiter gehen und der Briefmarkenkunde im Studir- oder Familienzimmer einen besonderen Tempel errichten dann gehört schon ein Tisch in Schreibtischform dazu, auf dessen Aufsatz die Fachbibliothek Aufstellung erhält, während in dem gutverschliessbaren Mittelfache des Tisches das Album für Marken nebst den Mappen oder Kartons für Ganz- sachen ruht, ausserdem in jenseitig angebrachten Seitenschränkchen obiger Hilfsapparat, ferner das Doubletten- resp. Tauschalbum und irgend ein Kasten für minderwerthe Doubletten , die irgend einem mildthätigen Zwecke zugeführt werden sollen. Wer es nobel geben kann, ziert die Wand oberhalb dieses Tisches mit einem guten Bildnis von Rowland Hill, der grossen Ausgabe der Deyhleschen Göttin Philatelia oder hänge darüber seine Mitgliederdiplome, und die Portraits seiner ebenfalls sammelbegeisterten Freunde. Das wäre dann eine Ausrüstung, die jedes Philatelisten- Zimmer anmuthig schmückt, nur Briefmarkenkunde athmen und gewiss den Besitzer derselben noch einmal so fest an das Album und seine Pflege bannen würde.
          Ähnliche Zimmerausrüstungen sahen wir, nebenbei gesagt, bereits zu wiederholten Malen, eine sogar in einem durchaus mit Marken sehr geschmackvoll tapezierten Zimmer, doch gestehen wir zu, dass eine solche sich zu leisten nicht gerade Jedermanns Sache sein dürfte, obwohl sie- je nach Art der Herstellung des Tisches billig und theuer zu beschaffen ist. Wir legen aber den Hauptwerth darauf, dass möglichst jeder Sammler in den Besitz solch`eines Hilfsapparates sich setze, wie wir ihn oben beschrieben haben, da derselbe jederzeit die besten Dienste leistet und seinen Besitzer unmerklich zwingt, mit mehr Ernst, als oft daran gewendet wurde, sich der Instand- haltung seines Albums zu widmen. Sind nöthige Hilfsapparate stets sofort zur Hand, werden sie auch benützt, ihre fleissige Benützung kommt dem Album unbestreitbar zu Gute und reizt das Interesse am Sammeln und der Sammlung.
        Wir wollen mit unserem Aufsatz darauf hin- gewiesen haben, dass zum Sammeln nicht nur Marken und ein Album gehören, was allenfalls für Schulknaben ausreichen mag; ferner bezwecken wir damit, den Sammlern einen guten Dienst zu erweisen, uns freuend, wenn die ausgesprochene Idee nicht nur entsprechend zweckdienliche Erweiterung erfährt, sondern überhaupt auf fruchtbaren Boden fiel.

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