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Dieser Artikel erschien 1887 und ist eher skurriler Natur nach dem Motto,: da fasst Dich an den Kopf, wenn man allerdings bedenkt, dass es zu dieser Zeit noch kein Antibiotikum gab und Typhus, Cholera oder Pocken noch häufige Todesursachen waren kommt man vielleicht etwas zum grübeln. Aber keine Angst, es ist mittlerweile erwiesen, dass Briefmarkensammeln eher für die Gesundung sorgt als fürs Ableben.

Gesundheitliches
über das Briefmarkensammeln

Von Dr. Emil Pfeiffer.

          Wie bei jeder Beschäftigung, so kann man auch bei dem Briefmarkensammeln die Frage aufwerfen, wie dasselbe sich zur Gesundheit verhält. So viel ich weiss, sind hierüber noch wenige Betrachtungen angestellt worden. Zunächst kann man zweierlei fragen, erstens: kann das Briefmarkensammeln der Gesundheit zuträglich sein? und zweitens: kann es der Gesundheit schaden?
          Einen Nutzen für die Gesundheit wird wohl auch der begeisterste Verehrer des Briefmarken- sportes dieser Leidenschaft nicht nachrühmen wollen. Allerdings könnte es vorkommen, dass einmal Jemand, der zum Briefmarkensammler geworden ist, eine bisher sitzende Lebensweise in der Weise ändert, dass er zur Erlangung oder zur Besichtigung von Marken oder Albums zahlreiche Gänge und Besuche in der Stadt, Fußtouren aufs Land oder sogar Reisen macht, welche seine Gesundheit befördern. In der Mehrzahl der Fälle wird aber gerade das Gegenteil der Fall sein. In den überwiegend meisten Fällen wird der Sammler die freie Zeit, welche er bis dahin zur Erholung, zum Spazierengehen, zum Turnen oder Jagen verwandt hat, auf seine Briefmarken verwenden und hier sind wir sofort an der zweiten Frage: Kann das Briefmarkensammeln der Gesund- heit schaden ? angelangt.
           Wenn man die Mitglieder- verzeichnisse der Vereine für Briefmarkensammler durchgeht, so findet man ausser einer Anzahl von Offizieren, Ärzten, Rentnern etc., welchen ihr Beruf oder ihre viele freie Zeit Bewegung in der frischen Luft zur Pflicht macht oder doch gestattet, eine grosse Reihe von Beamten, Commis etc., welche eine vorwiegend sitzende Lebensweise zu Führen ge- zwungen sind. Wenn solche Leute sich dem Sammeln von Briefmarken hingeben, so kann es vorkommen, dass dieselben einen grossen Theil ihrer freien Zeit oder ihre ganze freie Zeit der Sammlung widmen und dadurch die ihnen so nothwendige Körperbewegung vollständig vernachlässigen. Die Gefahren, welche die sitzende Lebensweise für die Gesundheit, besonders in Beziehung auf die Organe des Unterleibes, mit sich bringt, werden hierdurch vermehrt und gesteigert. Es kann nicht meine Aufgabe sein, durch Aufzählung aller der Beschwerden und Krankheiten, welche durch übermässiges Sitzen ohne Körperbewegung hervor- gerufen werden können, die Welt der Briefmarkensammler zu erschüttern, ich möchte nur an die bestehende Gefahr erinnern und diejenigen unter den Sammlern, welche eine sitzende Lebensweise führen müssen, nachdrücklichst davor warnen, alle ihre freie Zeit der Sammlung zu widmen und die nothwendige Körperbewegung darüber zu ver- nachlässigen. Beschwerden aller Art und Krank- heiten könnten davon die Folge sein und die Liebhaberei könnte so die Gesundheit gefährden und das Leben bedrohen.

          Eine Reihe von Gefahren liegt in den Objekten des Sammelns selbst. Wenn Jemand viele alte Briefmarken oder Akten auf Briefmarken durchsucht, so wird er nicht allein viel Staub schlucken müssen, sondern unter Umständen auch Moder und Schimmel antreffen und ihre Produkte in Form von allen möglichen Krankheitskeimen einathmen müssen. Bei solcher Beschäftigung ist deshalb Vorsicht und besonders Reinlichkeit er- forderlich. Die Hände zumal müssen nach solchen Arbeiten gründlich mit Seifenwasser gewaschen und womöglich desinfiziert werden.
          Aber auch die schon zirkulierenden Marken, welche in Albums oder auf Ansichtsbogen auf- geklebt sind, können die Träger vielfacher Krank- heitskeime sein. Es ist sicher, dass eine grosse Reihe von kranken Menschen sich mit dem Brief- markensammeln beschäftigt, wobei ich es ausser Betrachtung lasse, ob dieselben durch das Briefmarken- sammeln krank oder durch das Kranksein zu Brief- markensammlern geworden sind. Jedenfalls steht so viel fest, dass viele Kranke das Markensammeln als eine angenehme Zerstreuung mit vielem Eifer be- treiben. Unter diesen markensammelnden Kranken befinden sich aber auch eine ganze Reihe von solchen, welche mit ansteckenden Krankheiten behaftet sind, z.B. Scharlach-, Masern-, Pocken- kranke in der Rekonvalscenz, oder chronisch Kranke, also besonders Lungen- schwindsüchtige. Alle diese Kranken können die Keime ihrer Krank- heit den von ihnen berührten Marken mittheilen. Es ist also auch hier Vorsicht am Platze und besonders grosse Reinlichkeit nach der Beschäftigung mit solchen Marken.
          Besonders ist aufs Nachdrücklichste davor zu warnen, je eine fremde Marke (d.h. eigentlich jede Marke, da alle Briefmarken schon in fremden Händen waren, selbst die ungebrauchten), mit dem Munde zu berühren. Bei der noch überall herrschenden Unsitte, die Briefmarken mit dem Munde zu befeuchten, kann es auch einem Sammler in der Hitze des Gefechts leicht passiren, dass er den noch auf dem Sammelobjekte vorhandenen Gummi oder Gummirest zum Aufkleben benutzen will und nun die Marke bona fide ableckt. Dass er sich dabei der Gefahr aussetzt, dieselbe Marke über seine Zunge zu ziehen, die wenige Tage vorher ein Schwindsüchtiger oder sonst kranker Mensch über die seinige gezogen hat und dadurch auf ihm durchaus nicht mehr erinnerlichen Wege furchtbare und todbringende Krankheit zu er- werben, möge hier zur Warnung Aller, welche solcher Unsitte etwa gelegentlich noch huldigen, erwähnt werden.

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